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Die sechs Mündungen Novellen   By: (1890-1966)

Book cover

First Page:

Transcriber's Note: Double quotation marks have been encoded as » and «. The Table of contents has been moved to the front of the book.

Die sechs Mündungen

Novellen

von

Kasimir Edschmid

Kurt Wolff Verlag

Leipzig

Zehntes bis zwanzigstes Tausend

Copyright 1915 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig

Hof Buch und Steindruckerei Dietsch & Brückner, Weimar

Diese Novellen, die die sechs Mündungen heißen, weil sie von verschiedenen Seiten einströmen in den unendlichen Dreiklang unsrer endlichsten Sensationen: des Verzichts der tiefen Trauer und des grenzenlosen Todes sind geschrieben zur einen Hälfte im Herbst Neunzehnhundertdreizehn und im folgenden März zum anderen Teil.

Sie sind gewidmet dem

Doktor Heinrich Simon

Inhalt

Der Lazo . . . . . . . . . . 1 Der aussätzige Wald . . . . . 33 Maintonis Hochzeit . . . . . 69 Fifis herbstliche Passion . . 99 Yousouf . . . . . . . . . . . 129 Yup Scottens . . . . . . . . 201

Der Lazo

Raoul Perten verließ das Haus.

Seine Füße stiegen die Treppe herunter, er fühlte es und die Bewußtheit des mechanischen Vorgangs erfüllte ihn ganz, beruhigte ihn fast, obwohl keine Erregung in diesen Tagen vorangegangen war, und dies erstaunte ihn ein wenig.

Es hatte ausgeregnet, die Erde strömte nach den Umwälzungen des Gewitters aus aufgerissenen Ventilen dankbaren Geruch in die Höhe. Zwischen den gelben Kieswegen lagen kleine schrägsteigende Dampfwolken, und die wassergefüllten ungeheuren Dolden der weißen Fliederbüsche betteten sich schwer, geneigt und getrunken in das Feuchte der Blätter, und als einziges Geräusch klang das Rieseln seiner ablaufenden Tropfen in der Luft.

»Das ist alles so einerlei wie ungerecht,« sagte Raoul. »Wenn ich dies so durch die Nase ziehe, überjagt mich etwas wie etwa die Ahnung eines maßlosen Flugs. In fünf Minuten aber ist das vorüber und ich weiß nur noch, daß wir den Abend zu sechs Gängen soupieren, daß Onkel den Louis Schütz mitbringen wird, daß Blumenthal morgen (was macht es mir?) seinen zweiten Rekord feiern wird, übermorgen vielleicht Hans stirbt oder Mella mit dem Russen verschwindet. Und was geht das Wissen da all mich im Grunde an . . .? Onkel hat einen neuen Chablis entdeckt und denkt, daß man ihn den Abend drum feiert. Der Präsident wird gegen zwölf wie gewohnt seinen Witz erzählen. Rosenheim lacht durch die Nase. Mella wird im Orpheum meinen leeren Platz sehen, sich ärgern oder freuen oder auch nur erschrocken sein.

Fiele ich dort an der Straßenecke in einen gewaltigen und (oh!) varietègrünen See oder sauste ich in einen grandiosen Backofen es wäre objektiv ganz gleich, ich würde mich in dem einen Falle nicht mehr erstaunen als in dem zweiten oder andere Bewegungen machen, man würde die Tatsache als eine kleine zwischenakthafte Sensation anständig, vielleicht graziös aufarbeiten ohne viel Verwunderung . . . nur Onkels bedauernswerte schwarze Glacès würden einige Tage lang steigen und sinken, monoton und heftig wie Pumpenschwengel . . . Doch dieses Möglichkeitsausdenken ist sehr langweilig. Monologe sind literarisch. Die Geste ist verwundert alt und blasiert. Bin ich blasiert? Bestimmt? Ehrlich? Nein! Wenn ich am Sonntag reite, den Dreß spüre, das leichte Keuchen höre aus der Gurgel des Gauls und von seinem Mundschweiß beschneit dahänge zwischen Zügeln, Rücken, Gegnern und Welt weiß ich, daß dies eine Sekunde Seligkeit sein wird, ist. Auch wenn wir im Auto den Rhein hinunterrasen und dann quer über Holland und die mitteldeutsche Hypothenuse zurück . . . dann sitze ich nicht, Beine ausgeklemmt, weit voraus, das Rad zwischen zwei Händen hebelnd und von Zeit zu Zeit das kratzende Geräusch des bewegten Vergasers über das Gehämmer des Motors setzend . . . sitze ich nicht, braun, die Nase wie ein Akzent über dem eingummierten Gesicht mit dicken hellbraunen Lederhandschuhen auf dem Apparat vielmehr irgendwo bin ich darüber, in der Höhe, fliegend (doch keineswegs so wie im Aero: göttlich und doch gebunden!), sondern aus einer großen Ruhe heraus gewaltig herunterlugend und das Gefühl ruckweise wie Bissen genießend: Das weiße Netz der Landstraßen, hell, weiß, flimmernd vor Staub, sei eine Befriedigung, eine stolze Sache ... Continue reading book >>


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